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Update 2006: Klassifikation angeborener Immundefekte


V. Wahn*, T. Niehues** und M. Weiß***

* Klinik für Kinder und Jugendliche, Klinikum Uckermark Schwedt/ Oder
** Univ.-Kinderklinik Düsseldorf
*** Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Köln

Die Klassifikation primärer Immundefekte wird in mehrjährigen Abständen als Report einer wissenschaftlichen Arbeitsgruppe der IUIS publiziert (Übersicht siehe folgende Tabellen). Das letzte Treffen der Expertengruppe wurde 2005 in Budapest abgehalten. Eine Zusammenfassung der Klassifikation von 2003 hatten wir kürzlich ausführlich dargestellt. In diesem Update werden die neuesten Änderungen dargestellt basierend auf der Arbeit von Notarangelo et al. (2006).

Gegenüber 2004 ergeben sich 4 Änderungen:

- Defekt von CD3e als Ursache für SCID und Defekte von Artemis und IL-7Ra als Ursache für Omenn-Syndrom

- Mangel an TACI, CD19 und BAFFR als Ursachen des CVID, TACI auch als Ursache des IgA-Mangels

- Einschluß der immunoossären Dysplasien (Knorpel-Haar-Hypoplasie und Schimke-Syndrom), des Hermansky-Pudlak-Syndroms sowie des Hyper-IgE-Syndroms in die Liste der gut definierten Immundefektsyndrome

- Aufnahme des Syntaxin-Mangels, APECED und IPEX in die Erkrankungen mit gestörter Immunregulation


Tabelle 1. Übersicht Einteilung der Immundefekte nach IUIS Klassifikation (2005)

1. T- und B-Zell Immundefekte
2. Immundefekte, bei denen der Antikörpermangel im Vordergrund steht
3. Andere gut definierte Immundefekt-Syndrome
4. Störungen der Immunregulation
5. Defekte der Phagozytenzahl und -funktion
6. Defekte der natürlichen Immunität (innate immunity)
7. Komplementdefekte


Autoinflammatorische Syndrome präsentieren sich klinisch nicht unter dem Leitsymptom der vermehrten Infektanfälligkeit und sind daher an dieser Stelle nicht erwähnt.

Tabelle 2: Kombinierte Defekte

Bezeichnung Pathogenese/Gendefekt Verer-

bung

Besondere Merkmale
1. SCID (T-B+)*
(a) X-chromosomal (γc Defekt) Mutationen in γ-Kette der IL-2,4,7,9,15,21-Rezeptoren XL Stark verminderte Anzahl an NK Zellen
(b) Autosomal rezessiv(Jak3 Defekt) Mutationen im Jak3-Gen AR Stark verminderte Anzahl an NK Zellen
(c) IL-7Rα Defekt Mutationen im IL7Rα-Gen AR Normale Anzahl an NK Zellen
(d) CD45 Defekt Mutationen im CD45-Gen AR Normale Anzahl an γδ-T- Zellen
(e) CD3δ/CD3ε Defekt Mutationen im CD3δ- oder CD3ε-Gen AR  Normale NK-Zellen
2. SCID (T-B-)*
(a) RAG-1/RAG-2 Defekt Mutationen im RAG1/2-Gen AR  
(b) Artemis-Defekt Mutationen im Artemis-Gen
Defekte VDJ-Rekombination
AR Erhöhte Sensibilität gegenüber ionisierenden Strahlen
(c) Adenosindesaminase(ADA) Mangel T- und B-Zelldefekte aufgrund von toxischen Metaboliten (z.B. dATP, S-adenosylhomocystein) in Folge eines Enzymmangels AR  
(d) Retikuläre Dysgenesie Defekte Reifung von T- und B-Zellen und myeloischen Zellen (Stammzelldefekt) AR Granulozytopenie Thrombozytopenie
3. Omenn Syndrom Missense- Mutationen im RAG1/2-Gen, bei IL7Rα oder Artemis AR Erythrodermie

Eosinophilie, hohes IgE,

Hepatosplenomegalie

4. DNA Ligase IV Mutationen in der DNA Ligase IV : Defekte VDJ - Rekombination AR Radiosensitiv, Mikrozephalie, faziale Dystrophie
5. X-chromosomales Hyper IgM Syndrom Mutationen im CD40-Ligand-Gen, gestörte Signalübertragung in B- und dendritischen Zellen XL Neutropenie,

Thrombozytopenie,

hämolytische Anämie,

Gastrointestinal- & Leberbeteiligung, opportunistische Infektionen

6. CD40 Mangel Mutationen im CD40-Gen, gestörte Signalübertragung in B- und dendritischen Zellen AR Neutropenie, Gastrointestinal- & Leberbeteiligung, opportunistische Infektionen
7. Purin Nucleosid Phosphorylase (PNP) Mangel T-Zelldefekt aufgrund von toxischen Metaboliten (z. B. dGTP) in Folge eines Enzymmangels AR Autoimmunhämolytische Anämie, neurologische Symptome
8. MHC Klasse II Defekt Mutationen in Transkrip-tionsfaktorgenen(CIITA oder RFX5, RFXAP, RFXANK) für MHC Klasse-II Moleküle AR  
9. CD3γ Defekt Defekte bei CD3γ AR  
10. CD8 Mangel Mutationen im CD8α Gen AR  
11. ZAP-70 Defekt Mutationen im ZAP-70 Kinase-Gen AR  
12. TAP-1/2 Defekt Mutationen im TAP-1- oder TAP-2-Gen AR MHC Klasse I Defekt
13. Winged Helix Nude (WHN) Defekt Mutationen im WHN Gen, das für Transkriptionsfaktor WHN kodiert AR Alopezie, abnormales Thymusepithel (menschliche Nacktmaus)

SCID, Schwerer kombinierter Immundefekt; XL, X-chromosomale Vererbung; JAK, Janus-assoziierte Kinase; IL-7Ra, IL-7 Rezeptor a; AR, autosomal rezessive Vererbung; NK, natürliche Killer Zellen; dATP, Desoxyadenosin Triphosphat; dGTP, Desoxyguanosin Diphosphat; ZAP-70, Zeta-assoziiertes Protein mit 70 kd;

TAP, transporter associated with antigen processing.

*Atypische Fälle von SCID können bei sog. hypomorphen somatischen Mutationen oder bei Vorhandensein angeborener GvHD maternale T-Zellen haben.

Zu erwarten ist, dass in Zukunft auch der Defekt von Cernunnos als weitere Ursache des radiosensitiven SID anerkannt werden wird. Dasselbe gilt für den vor kurzem beschriebenen Mangel der CD3-z-Kette.

Tabelle 3: Immundefekte, bei denen der Antikörpermangel im Vordergrund steht

Bezeichnung Pathogenese/ Gendefekt Konstellation der Immun-globuline Verer-

bung

Besondere Merkmale
1.Starke Reduktion aller Immunglobulin-Isotypen
a) X-chromosomale Agamma- globulinämie Mutationen im btk-Gen Alle Isotypen erniedrigt XL Schwere bakterielle Infektionen
b) µ-Schwerketten-Mangel Mutationen bei der m-Schwerkette Alle Isotypen erniedrigt AR Schwere bakterielle Infektionen
c) λ5-Mangel Mutationen bei λ5 Alle Isotypen erniedrigt AR Schwere bakterielle Infektionen
d) Igα-Mangel Mutationen bei Igα Alle Isotypen erniedrigt AR Schwere bakterielle Infektionen
e) BLNK-Mangel Mutationen bei BLNK Alle Isotypen erniedrigt Schwere bakterielle Infektionen
f) Good-Syndrom Unbekannt Alle Isotypen erniedrigt Schwere bakterielle Infektionen
2. Starke Reduktion von mindestens 2 Ig-Isotypen
a) CVID* Unbekannt IgG und IgA erniedrigt, IgM kann normal sein Variabel Infektionen, autoimmune, granulomatöse und lymphoproliferative Komplikationen
b) ICOS-Mangel Mutationen bei ICOS IgG und IgA erniedrigt, IgM kann normal sein AR Schwere bakterielle Infektionen
c) CD19-Mangel Mutationen bei CD19 IgG und IgA erniedrigt, IgM kann normal sein AR Schwere bakterielle Infektionen
d) TACI-Mangel Mutationen bei TACI IgG und IgA erniedrigt, IgM kann normal sein AR oder AD Auch autoimmune und lymphoproliferative Komplikationen
e) BAFF-Rezeptor-Mangel Mutationen bei BAFFR IgG und IgA erniedrigt, IgM kann normal sein AR Schwere bakterielle Infektionen
3. Hyper-IgM-Syndrome mit normalen B-Zellen
a) AID-Mangel(Activation-induced Cytidin deaminase) Mutationen im AID-Gen IgG und IgA erniedrigt AR Vergrößerte Lymphknoten und Keimzentren
b) UNG-Mangel (Uracil-N-Glykosylase) Mutationen im UNG-Gen IgG und IgA erniedrigt AR Vergrößerte Lymphknoten und Keimzentren
4. Isotyp- oder Leichtkettenmangel mit normalen B-Zellen  
a) Defekt der schweren Immunglobulinkette Chromosomaler Defekt bei 14q32 IgG1 oder IgG2, IgG4 nicht vorhanden und in einigen Fällen IgE und IgA1 oder IgA2 nicht vorhanden AR Nicht immer symptomatisch
b) κ-Ketten-Defekt Punktmutationen bei Chromosom 2p11 bei einigen Patienten Ig(k) erniedrigt: Antikörper-Reaktion normal oder erniedrigt AR Teilweise asymptomatisch
c) IgG-Subklassendefekte Unbekannt Verminderung einer oder mehrerer Subklassen Variabel Rezidivierende Infektionen
d) IgA- plus IgG-Subklassenmangel Unbekannt Verminderung von IgA und einer oder mehrerer Subklassen Variabel Teilweise asymptomatisch
e) Selektiver IgA-Mangel Sehr wenige mit TACI-Mutation IgA vermindert Variabel Einige entwickeln sich zum CVID, andere sind damit familiär koexistent
5. Antikörpermangel mit normalen Immunglobulinen und B-Zellen Unbekannt Normal Unbe-kannt Selektive Unfähigkeit zur Bildung von Polysaccharid-Antikörpern
6. Transitorische Hypogammaglobulin-ämie des Säuglings Differenzierungsdefekt: verspätete Reifung der Helferzell-Funktion IgG und IgA erniedrigt Unbe-kannt Häufig in Familien mit anderen Immundefekten

Abkürzungen: XL = X-chromosomal rezessiv; AR = autosomal rezessiv; AD, autosomal dominanter Erbgang; BLNK, B-Zell Linker Protein; ICOS, inducible costimulator; TACI, transmembrane activator, calcium-modulator and cyclophilin ligand interactor; BAFF, B-cell activating factor; AID, Aktivierungs-induzierte Cytidin-Desaminase; UNG, Uracil-DNA N-Glykosylase; Ig(k)= Immunglobulin mit kappa-Leichtkette; btk = Bruton´s Tyrosinkinase; *Unterschiedliche klinische Phänotypen.

Tabelle 4: Andere gut definierte Immundefekt-Syndrome

Bezeichnung Genetischer Defekt Verer-

bung

Besondere Merkmale
1. Wiskott-Aldrich Syndrom Mutationen im WASP- Gen; zytoskeletaler Defekt, der Hämatopoese betrifft XL Thrombozytopenie; kleine defekte Plättchen; Ekzeme; Lymphome; Autoimmunerkrankungen
2. DNA-Reparatur-Defekte
a) Ataxia teleangiectacia (Louis-Bar-Syndrom Mutation im A-T -Gen (ATM); Störung des Zellzyklus; führt zu chromosomaler Instabilität AR Ataxie; Teleangiektasien; Variable Störungen bei IgG-Subklassen, IgA und IgE, spezifischen Antikörpern. Erhöhtes alpha 1- Fetoprotein. Lymphoretikuläre und andere Malignome, radiosensitiv
(b) Ataxia ähnliches Syndrom Mutationen im Mre 11-Gen (kodiert für DNA Reparaturenzym) AR Mäßig ausgeprägte Ataxie,radiosensitiv
(c) Nijmegen breakage syndrome Defekt in NBS1 (Nibrin); Störung des Zellzyklus und DNA Reparatur AR Mikrozephalie, Lymphome; Radiosensitiv; chromosomale Instabilität
(d) Artemis Defekt Mutation im Artemis-Gen AR Strahlungs-Sensitivität
(e) DNA ligase IV Mutation in DNA-Ligase IV: Gestörte NHEJ DNA Reparatur AR Mikrozephalie, faziale Dystrophie, Strahlungssensitivität
(f) Bloom Syndrome Mutationen in der Helicase AR  Chromosomale Instabilität, radiosensitiv, Knochenmarksinsuffizienz, Leukämie, Lymphome, Minderwuchs, Vogelkopfgesicht, Lichtempfindlichkeit, Teleangiektasien
 
3. Thymusdefekte:

DiGeorge-Anomalie

Defekt, der zu 90% die Thymus- Entwicklung betrifft De novo Defekt oder AD Hypoparathyroidismus: Conotrunkale Missbildungen; Auffällige Facies; partielle Monosomie von 22q11-pter oder 10p bei einigen Patienten
4. Immunoossäre Dysplasien
a) Knorpel-Haar-Hypoplasie Mutation bei RMRP AR Kurzgliedriger Zwergwuchs, Dysostosen, wenig Haare, Anämie, Neutropenie, Erhöhte Anfälligkeit für maligne Erkrankungen
(b) Schimke-Syndrom Mutation bei AP3B1 AR Minderwuchs, Knochendysplasien, Nephropathie
5. Hermansky-Pudlak-Syndrom Mutation bei AP3B1 AR Okulokutaner Albinismus, Neutropenie, Störung zytotoxischer T- und NK-Zellen, Blutungsneigung
6. Hyper-IgE-Syndrome Unbekannt AR, AD Candidiasis, kalte Abszesse, Pneumatocelen, typische Facies, Osteoporose, Skoliose
7. Chronisch-mukokutane Candidiasis Unbekannt AR, AD Chronisch-mukokutane Candidiasis, gestörte zelluläre Immunität gegenüber Candida

Abkürzungen: XL = X-chromosomal rezessiv; AR = autosomal rezessiv; AD = autosomal dominant; WASP = Wiskott-Aldrich Syndrom Protein; MRE11, meiotische Rekombination 11; NK= Natürliche Killer Zellen; CTL = Zytotoxische T-Zellen; EBV = Epstein Barr Virus, RMPR = RNA component of mitochondrial RNA-processing endoribonuclease; SMARCALI = SWI/SNF-related, matrix-associated, actin-dependent regulator of chromatin, subfamily alpha-like 1; AP3B1 = adaptor-related protein complex 3, ß1-subunit

Tabelle 5: Erkrankungen bei Immundysregulation

1. Immundefekte mit Hypopigmentierung
(a) Chediak-Higashi Syndrom Defekt im Lyst -Gen AR Partieller Albinismus; Akutphase-Reaktion; niedrige NK und CTL Aktivitäten; stark vergrößerte Lysosomen, enzephalopathische akzelerierte Phase
(b) Griscelli Syndrom Typ 2 Defekt im RAB27A- Gen AR Partieller Albinismus; Akutphase-Reaktion; niedrige NK und CTL-Aktivitäten, progressive Enzephalopathie in schweren Fällen
2. Familiäre hämophagozytierende Lymphohistiozytose
(a) Perforinmangel Mutationen im PRF1 (Perforin)-Gen AR Schwere Entzündungszustände, erniedrigte NK und CTL-Aktivitäten
(b) Munc 13-D Defekt Mutation im MUNC 13-D-Gen AR Schwere Entzündungszustände, erniedrigte NK und CTL-Aktivitäten
(c) Syntaxin 11 Defekt Mutation im STX11-Gen AR Schwere Entzündungszustände, erniedrigte NK und CTL-Aktivitäten
3. X-chromosomales lymphoproliferatives Syndrom Defekt bei SH2D1A XL Klinische und immunologische Manifestationen, getriggert durch EBV Infektion; Hepatitis; Aplastische Anämie; Lymphome. Selten Hypogammaglobulinämie
4. Syndrome mit Autoimmunität      
a. Autoimmune lymphoproliferative Syndrome (ALPS)      Nur teilweise als «Immundefekt» anzusehen
Typ 1a : CD95-Mangel Mutationen im TNFRSF6 AR Adenopathie, Splenomegalie, Autoimmunzytopenien, gestörte Apoptose, gesteigertes Lymphomrisiko
Typ 1b : CD95-Ligand-Mangel Mutationen im TNFSF6 AR Adenopathie, Splenomegalie, Autoimmunität, Lupus, gestörte Apoptose
Typ 2a: Caspase 10-Defekt Mutationen im CASP10 (beteiligt am apoptotischen Signalweg) AR Adenopathie, Splenomegalie, vermehrt dendritische Zellen, Autoimmunität, gestörte Apoptose
Typ 2b: Caspase 8-Defekt Mutationen im CASP8 (beteiligt am apoptotischen und Aktivierungs-Signalweg) AD Lymphadenopathie, Splenomegalie, gestörte Lymphozyten-Apoptose und Aktivierung, rezidivierende bakterielle und virale Infekte
b) APECED = Autoimmunpolyendokrinopathie mit Candidiasis und ektodermaler Dystrophie Defekt bei AIRE, einem Transkriptionsfaktor nötig für Ausbildung von „Selbst“-Toleranz im Thymus AR Autoimmunerkrankungen von Nebenschilddrüsen, Nebennieren und anderen endokrinen Organen, plus Candidiasis, Zahn- und Schmelzhypoplasie
c) IPEX, Immundysregulation, Polyendokrinopathie, Enteropathie, X-chromosomal Defekt bei FOXp3, einem Transkriptionsfaktor für regulatorische T-Zellen XL Autoimmundiarrhoe, früh Diabetes, Thyreoiditis, hämolytische Anämie, Thrombopenie, Ekzem. Mangel an FOXp3-pos. CD4+/CD25+ Zellen

NK, Natürliche Killerzelle; CTL, zytotoxische T-Zelle; XL = X-chromosomal rezessiv; AR = autosomal rezessiv; AD = autosomal dominant; LYST, lysosomal trafficking regulator; RAB27A, Rab Protein 27A; PRF1, Perforin 1; SH2D1A, SH2 domain protein 1A; APECED, autoimmune polyendocrinopathy-candidiasis-ectodermal dystrophy; AIRE, autoimmune regulator; IPEX, immune dysregulation–polyendocrinopathy–enteropathy–X-linked; FOXP3, Forkhead box protein 3.

Tabelle 6: Defekte der Granulozyten und Makrophagen

Krankheit Gendefekt Verer-

bung

Merkmale
1-3. Schwere angeborene Neutropenien Bei einigen Patienten ELA2-Defekt*, Fehltransport der Elastase AD  Gestörte myeloide Differenzierung, Subgruppe mit Myelodysplasie
Mutation bei GFI1, gestörte Repression der Elastase AD Gestörte myeloide Differenzierung, B/T Lymphopenie
Mutation im GCSF-Rezeptor AD  Gestörte myeloide Differenzierung, refraktär gegenüber G-CSF
4. Kostmann-Syndrom Unbekannt Gestörte myeloide Differenzierung
5. Zyklische Neutropenie Elastase 2 AD Zyklische Schwankungen von Retikulozyten, Thrombozyten und Leukozyten
6. X-chromosomale Neutropenie Mutation im WASP-Gen: Verlust der Autoinhibition) XL Monozytopenie
7. Leukozyten Adhäsionsdefekt 1 Mutation bei INTG2: Beta-Kette (CD18) von LFA-1, Mac 1, p150,95 AR Verspäteter Abfall des Nabels, chronische Hautulzera, Leukozytose, defekte T + NK-Zell Zytotoxizität
8. Leukozyten Adhäsionsdefekt 2 GDP-Fucose-Transporter AR Verzögerte Wundheilung, chronische Hautulzera, geistige Retardierung, Leukozytose, Bombay Blutgruppe (hh)
9. Leukozyten Adhäsionsdefekt 3 Gestörte Rap1-Aktivierung der Integrine AR Wie LAD1 + Blutungsneigung
10. Rac-2-Defekt Mutation der GTPase RAC-2, keine Regulation des Aktinskeletts AD Verzögerte Wundheilung, Leukozytose
11. β-Aktin-Defekt Mutation von ACTB (kodiert zytoplasmatisches Aktin) AD Mentale Retardierung, Minderwuchs
12. Lokalisierte juvenile Peridontitis Mutation bei FPR1 (Chemokin-Rezeptor) AR Peridontitis, gestörte Chemotaxis
13. Papillion-Lefevre Syndrome Störung im CTSC-Gen: Störung der Kathepsin-Aktvierung von Serinproteasen AR Peridontitis, palmo-plantare Hyperkeratose
14. Spezifischer Granulamangel CCAAT/Enhancer-bindendes Protein e; myeloider Transkriptionsfaktor AR Neutrophile mit doppelt gelappten Kernen
15. Shwachmann-Diamond Syndrom Mutation bei SBDS AR Panzytopenie, Pankreasinsuffizienz, Chondrodysplasie
 
16. X-chromosomale septische Granulomatose gp 91 phox (CYBB) XL Keine O2--Bildung, Blutgruppe: McLeod Phänotyp möglich
17-19. Autosomal rezessive septische Granulomatosen P22 phox (CYBA Elektronentransportprotein), p47 phox (NCF1-Adapterprotein), p67 phox (NCF2 aktivierendes Protein) AR Keine O2--Bildung
20. Neutrophilen Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase -Defekt Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase XL Hämolytische Anämie, gestörte O2--Bildung und Killing
21. Interleukin-12 und IL-23-Rezeptor Defekt Störungen bei IL12Rβ1 und IL-23Rß1 AR Erhöhte Anfälligkeit gegenüber Mykobakterien und Salmonellen.
22. Interleukin-12p40 Defekt IL12p40 AR Erhöhte Anfälligkeit gegenüber Mykobakterien und Salmonellen.
23. IFN-γ Rezeptor 1-Defekt IFN-γ Rezeptor 1 (Zytokin-bindende Kette) AR/AD Erhöhte Anfälligkeit gegenüber Mykobakterien und Salmonellen. Keine Bindung von IFN-γ
24. IFN-γ Rezeptor 2-Defekt IFN-γ Rezeptor 2 (Signalkette) AR Erhöhte Anfälligkeit gegenüber Mykobakterien und Salmonellen. Kein Signal durch IFN-γ
25. STAT-1 Defekte STAT-1** AR Erhöhte Anfälligkeit gegenüber Viren, Mykobakterien und Salmonellen. Gestörtes IFN-α/β/γ-Signalling
STAT-1** AD Erhöhte Anfälligkeit gegenüber Mykobakterien und Salmonellen. Gestörtes IFN-γ-Signalling

Abkürzungen: XL = X-chromosomal rezessiv; AR = autosomal rezessiv; AD = autosomal dominant; NK= Natürliche Killer Zellen; WASP = Wiskott-Aldrich Syndrom Protein; IFN = Interferon. LAD, Leukozytenadhäsions-Mangel; FUCT1, Fucose Transporter 1; GDP, Guanosine Diphosphat; SBDS, Shwachman-Bodan-Diamond Syndrom; STAT1, signal transducer and activator of transcription 1. Die AD Form des IFN-Rg1 oder des STAT1 Mangels wird durch dominant negative Mutationen verursacht.

* Anmerkung der Autoren: Bei ca. 2/3 der Fälle einer schweren angeborenen Neutropenie bestehen heterozygote Mutationen im Elastase 2-Gen .

** Transkriptionsfaktor, der über den IFNg-Rezeptor aktiviert wird

Tabelle 7: Defekte der innate immunity

Krankheit Gendefekt Verer-

bung

Merkmale
Anhidrotische Ektodermaldysplasie mit Immundefekt (EDA-ID) NEMO XR Reduzierte Schweißproduktion, Ektodermaldysplasie*, Fehlen polysaccharidspezifischer Antikörper, gesteigerte Infektneigung, erhöhte Anfälligkeit gegenüber Mykobakterien und Salmonellen.
Anhidrotische Ektodermaldysplasie mit Immundefekt (EDA-ID) IκBα AD Reduzierte Schweißproduktion, Ektodermaldysplasie*, T-Zell-Defekt, gesteigerte Infektneigung, erhöhte Anfälligkeit gegenüber Mykobakterien und Salmonellen.
IL-1-Rezeptor assoziierte Kinase 4 (IRAK4)-Mangel IRAK4 AR Bakterielle Infektionen, Störung des TIR-IRAK-Signalweges
WHIM (Warzen, Hypogammaglobulinämie, Infektionen, Myelokathexis)-Syndrom CXCR4 AD Neutropenie, reduzierte B-Zellen, Warzen/HPV-Infektionen
Epidermodysplasia verruciformis EVER1, EVER2 AR HPV (Gruppe B1)-Infektionen und Hautkrebs

XR, X-linked recessive; NEMO, NF-kB essential modulator; AD, autosomal dominant inheritance; AR, autosomal recessive inheritance; NF-kB, Nuclear factor kB; IRAK4, IL-1 receptor-associated kinase 4; SDF-1, stromal-derived factor 1; EVER, epidermodysplasia verruciformis; TIR, Toll and IL-1 receptor;

HPV, human papilloma virus.

B*Anmerkung der Autoren: NEMO Defekte sind auch ohne ektodermale Dysplasie beschrieben worden.

Mit neuen Beschreibungen ist zu rechnen, die in zukünftigen Klassifikationen berücksichtigt werden müssen. Beispiele wurden genannt.

LITERATUR

Notarangelo L, Casanova JL, Conley ME, Chapel H, Fischer A, Puck J, Rosen F, Seger R, Geha R, for the International Union of Immunological Societies Primary Immunodeficiency diseases classification committee. Classification Committee Meeting in Budapest, 2005. J Allergy Clin Immunol. 2006; 117: 677-87.

Korrespondenzadresse

Prof. Dr. V. Wahn

Klinik für Kinder und Jugendliche
Klinikum Uckermark
Auguststraße 23

16303 Schwedt/Oder